Cross Border eHealth

Von einer grenzüberschreitenden Gesundheitsversorgung in der Europäischen Union könnten alle EU-Bürger profitieren: Sie würden in dem Land versorgt werden, das ihnen bei ihrer jeweiligen Erkrankung die beste Behandlung bieten kann.


2011 hat der europäische Gesetzgeber die rechtliche Grundlage für eine sichere und hochwertige EU-weite Gesundheitsversorgung geschaffen, die die Patientenmobilität gewährleisten und die Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten bei der Gesundheitsversorgung fördern soll (Richtlinie 2011/24/EU vom 9. März 2011). Die Regelung steht im Einklang mit dem Grundgedanken der Europäischen Union, einen freien Verkehr von Waren und Dienstleistungen zu ermöglichen.


Mit ihrem eHealth-Aktionsplan 2012-2020 „Innovative healthcare for the 21st century” will die EU-Kommission die erfolgreich durchgeführten Pilotprojekte in die Regelversorgung überführen. Es sollen konkret die Hindernisse angegangen werden, die den Einsatz digitaler Lösungen in den europäischen Gesundheitssystemen behindern. Im Mittelpunkt stehen die zentrale Patientenakte und das elektronische Rezept. Damit die Umsetzung reibungslos funktioniert, müssen aber weitere Grundlagen geschaffen werden, die teilweise in früheren Projekten wie „epsos“ ( www.epsos.eu) erarbeitet und getestet wurden. Dazu zählen zum Beispiel die Einführung von Knotenpunkten, die die nationalen Gesundheitsnetze miteinander verknüpfen, die Möglichkeit einer eindeutigen Identifikation von Patienten (eID), Standards für die Vernetzung von Akteuren sowie ein einheitliches europäisches E-Rezept. Für Letzteres hat der europäische Gesetzgeber bereits in einer Verordnung die Basis geschaffen, die nun von den einzelnen Mitgliedstaaten umgesetzt werden muss.


Die Verbreitung von eHealth-Anwendungen ist in den einzelnen EU-Staaten sehr unterschiedlich. In Europa gibt es aber bereits eine Vielzahl erfolgreicher, patientenfreundlicher und sicherer Modelle.
In Dänemark laufen große Teile des Gesundheitssystems über das Portal sundhed.dk, das es seit 1993 gibt. Die Patientinnen und Patienten können mit einem Passwort zum Beispiel auf ihre Krankenakte oder Verschreibungen zugreifen, ebenso wie Ärzte oder Apotheker. Ziel ist es, dass die Daten des Patienten bei Bedarf jederzeit und überall verfügbar sind. Das steigert die Versorgungsqualität für Patienten und Leistungserbringer. Die Vernetzung der Beteiligten des Gesundheitswesens wird damit zum zentralen Element der dänischen eHealth-Strategie.


Die Schweiz führte bereits vor Jahren erfolgreich ein elektronisches Rezept ein. Es brachte mehr Sicherheit, mehr Transparenz und mehr Effizienz in das Gesundheitssystem und bietet erheblichen Mehrwert für den Patienten. Das elektronische Rezept verändert die herkömmlichen Prozesse zwischen Arzt, Patient, Apotheker und Krankenversicherung. Neben den Einsparpotenzialen trägt es zusätzlich zur Compliance-Erhöhung beim Patienten bei, denn der Arzt erfährt, ob und wann das Rezept eingelöst wurde.


Vergleicht man hingegen in Deutschland den Stand der Digitalisierung im Gesundheitswesen mit den Inhalten des geplanten nationalen eHealth-Gesetzes, wird Nachholbedarf deutlich. Das Gesetz bleibt stark hinter den Erwartungen zurück und schafft erst die Grundlage für ein funktionierendes System.


Der EAMSP sieht im Einsatz von eHealth eine wesentliche Verbesserung der Arzneimittelsicherheit und der medizinischen und pharmazeutischen Versorgung insbesondere in ländlichen Räumen. Er setzt sich deshalb aktiv für eine schnelle Verbreitung in Europa ein. Aus diesem Grund ist der EAMSP auch Mitglied in der European Health Telematics Association (www.ehtel.eu). In dem Verband haben sich viele internationale Akteure aus dem Gesundheitsbereich zusammengeschlossen.